Svalbard, The Blue Arctic

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In Deutschland kennt man von der Inselgruppe nur die Hauptinsel Spitsbergen.
Ende Januar, zwei Wochen vor Reisebeginn, zeigte sich in der Webcam von Idar Jarle Nikolaisen schon „The blue Arctic" Zwischen 10:00 Uhr und 14:00 Uhr, danach ist es wieder finster wie in einem Sack. Nach warmen Polarnächten ist hier die Temperatur auf -11°C gefallen.

Zu Beginn der Abreisewoche hat es stark geschneit und die Temperaturen sind auf -7°C gefallen. Der Trend zum Wochenende geht zu zweistelligen Minustemperaturen.

Auf Svalbard ist es aus Sicherheitsgründen erforderlich, wenn man die Städte verlässt, einen Schießprügel mitzunehmen. Er dient zur Notwehr gegen Eisbären. Zu unserer Sicherheitseinrichtung gehörten auch ein Notrufsender und Lawienensonden.

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Tag 1
In Oslo hatte ich gerade mal so viel zeit eine Zigarette zu rauchen, und während ich zum Flug nach Tromsö ging schnell einen SMS zu schreiben. Schon ging es weiter zum Flugzeug. Auf dem Flug wurde ich müde, was sich im Terminal dort wenig änderte. Ich holte mir etwas zu trinken, worauf es mir besser ging. Aber es war zu viel los und ich konnte mich auch nirgends hinsetzen. In der Checkin-Halle ging es noch, hier ist es nicht so warm. 22:35 Uhr, ich war nicht im Pub, so wie ich es mir vorgenommen hatte, dafür habe ich das Buch „Tausend Meilen Eis" fertig gelesen. Eine gute Möglichkeit die lange Wartezeit totzuschlagen. Ich schätze mal das der Rest, der hier noch im, Terminal verblieben ist, die warteten Passagiere nach Longyearbyen sind, und in einer halben Stunde zu boarding gebeten werden – vorher sollte ich noch eine rauchen gehen. Hoffentlich gehen die zwei Stunden Flug schnell vorbei. Die Gates nach Alta, Hammerfest und Kirkenes wurden schon geschlossen und der vorletzte Flug für heute raus. Die Nacht wird eine kurze werden. Priitta hat mich am Flughafen in Longyearbyen schon erwartet. Meine Tasche war nicht mit im Flieger, es wird nach ihr geforscht werden, und sie sollte am nächsten Tag gebracht werden. Wir sind zu Priittas und Antons Haus gefahren. Zehn km außerhalb Longyearbyen's am Rande des Advendtals. Noch ein kleiner Snack, etwas zu trinken und wir gingen gegen 3:00 Uhr schlafen.

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Tag 2
Um 9:00 Uhr gab es Frühstück, und ich lernte dann auch Anton und Erika kennen. Erika machte dort ein Praktikum. Alleine mit Anton machte ich eine Tour im Adventdal. Die Strecke war nicht ohne, einige Male werfe ich den Schlitten um. Es ist sehr kalt in dieser baumlosen Gegend und ich hatte ja noch nicht meine gesamte Kleidung, die ist noch auf der Strecke von Oslo nach Longyearbyen. Bei unserer Rückkunft war die Tasche bereits angeliefert und ich konnte endlich meine Klamotten wechseln. Ich war fertig, das Wetter und die Tour haben mich geschafft. An diesem Tag hatten wir Temperaturen um -14°C und WIndgeschwindigkeiten von 9-13 m/s. Das ist eine gefühlte Temperaturr von ca. -32°C

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Tag 3
Es war ein windstiller Morgen, für diesen Tag war eine Tour zu einer 10 km entfernten Gletscherhöhle geplant. Erika fuhr an diesem Tag mit uns. Das Wetter mit -22"C war klar und wir hatten eine schöne Tour mit den Hunden. Der Horizont ist leicht gerötet. Beim Start ins Bolterdalen ließen wir die Grube sieben links liegen, sie befindet sich hoch oben auf einem Berg, der zeitweise schwarz durch den Kohlenstaub ist. Die Lastwagen fahren die Kohle rund um die Uhr.
Die Fahrt mit den Schlitten ging im leicht ansteigendem Tal hoch. Anton fand dort eine Flinte, die er mitnimmt, eine Hose die er auf eine Wegmarkierung hinterließ und wir sahen noch ein paar Sportschuhe. Auf allen Svalbard Inseln ist es Pflicht eine Flinte wegen der Eisbären mitzuführen, auch müssen längere Touren beim Sysselmannen-Büro (Gouverneur von Svalbard) angemeldet werden.
Klang, mein erster Teamdog fand einen Socken, den er einige km ais Beute mitschleppte, bis er ihn von Anton weggenommen wurde. Er hat den Socken in den Schnee geworfen und tief eingetreten.
Oben im Tal blieben wir stehen und machten die Zugleinen vorne an den zuvor ausgelegten Eisankern fest. Wir haben die dicken Jacken ausgezogen und die Spikes unter den schweren Schneestiefeln befestigt. Anton öffnete schon den Einstieg zur Eishöhle. er ist mit dicken Brettern verschlossen und mit Schnee bedeckt.
Der Einstieg ist ca. fünf Meter tief und mit einem Halteseil versehen.
Unter dem Eis sind die Steine zu erkennen und die Wände glitzerten wie Diamanten im Schein unserer Kopflampen. Aus den Wänden ragen Eisvorsprünge wie Tische, und von der Decke hängen lange Eisstalaktiten. Die Höhle ist bis mehrere Meter hoch, aber teilweise mussten wir auf dem Bauch durch niedrige Durchgänge robben. Hier sind kleine Seen aus gefrorenem Wasser, das Leben steht still.
Polargletscher wandern nicht so wie Berggletscher und liegen im Permafrost.
Vor dem oberen Ende der Höhle ist ein kleiner Aufstieg, der mit einer Hängeleiter überwunden wird. Zum Ausstieg wollten wir nicht den oberen Eingang benutzen und sind in der Höhle zurück gegangen. Es ist gut zu wissen dass nach der kleinen Rutschpartie auf dem Eis, ist einfacher als laufen und kann trotzdem passieren, und dem kleinen Schneefeld sich die Hängeleiter befindet.
Anton wartete derweil bei den Hunden auf Erika und mich.
An einer Biegung, die Höhle ist hier nur 1,30 Meter hoch, haben wir unsere Snackpause gemacht.
Als wir durch den unteren Einstieg die Höhle verlassen wollten war dieser von der Gruppe die uns in der Höhle entgegen kam, verschlossen worden und die Bretter etwas mit Schnee bedeckt. Erika war hinter mir als ich mit mühe die Bretter auf dem oberen, flachen Teil des Einstiegs zur Seite schob. Ich musste aufpassen um nicht abzurutschen und mit Erika einige Meter abzuschmieren. Anton erwartete uns am oberen Ausstieg und braucht etwas Zeit um durch den tiefen Schnee zu uns zu kommen. Er hat nicht bemerkt dass der Eingang verschlossen wurde.
Es war ein Erlebnis. Hier oben habe ich einige Bilder von den umliegenden Bergen gemacht.
Nach der Sauna waren Priitta, Erika und ich im Svalbardseminar. Es waren Vorlesungen über die Ökologie und Ökonomie von Svalbard an der Unis, der Universität in Longyearbyen. Obwohl ich eher wenig verstanden habe war es sehr interessant.

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Tag 4
Zur Tour hatten wir einen Tagesgast, eine schwedische Journalistin. Zu viert sind wir quer durchs Advendtal und gegenüber L'byen nördlich in die Berge über den Tellbreen gefahren. Steil bergauf mit einer langen Abfahrt. Hier war es, als ich nach der Pfote von Santos sehen wollte, die Hunde losliefen, die Anker mitrissen, und ich mit der Zugleine zwischen den Beinen, halb unter dem Schlitten lag. Leider hat niemand ein Bild gemacht. Schlimm daran war, dass ich bei -36° gefühlten Graden den linken Handschuh nicht an hatte um mit dieser Hand die Pfoten zu untersuchen. Das nächste Mal sollen sie selbst nach den Pfoten sehen.
Die Hand wurde auch in meinen Fingerhandschuhen nicht warm und ich benutzte den großen Seehundhandschuh. Das Ausspannen der Hunde habe ich ohne Handschuhe gemacht, wobei mir bei -22°C fast die Finger abgefallen sind.
Seit ich hier bin habe ich erst ca. 15 Zigaretten geraucht, davon aber oft nur 1-2 cm. Als einziger Raucher findet dieser Genuss im Freien statt.
Abends fühlte ich mich nicht sehr gut. Draußen konnte ich mich nicht aufhalten weil ich total fror, und auch müde war. Priitta hat mir etwas Hausmedizin in den Tee gemacht - Finlandia

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Tag 5
Dieser Tag war Einkaufstag. Ich konnte einen Ruhetag gebrauchen. Anton hat Erika und mich an der Kirche abgesetzt. Sie ist ein allgemeiner Treffpunkt. So wie es auf Svalbard üblich ist werden beim Betreten eines Gebäudes die Schuhe ausgezogen. Diese Angewohnheit stammt von den Kohlemienenarbeitern um den Schmutz draußen zu lassen.
Durch den -40°C kalten Wind sind wir zur gegenüberliegenden Seite des Tals gelaufen. Dort befinden sich die meisten Gebäude und Geschäfte. Hier konnte ich einige Reiseandenken besorgen. Mit Anton sind wir nachmittags zum Flughafen gefahren um einen neuen Gast abzuholen.
Die Kälte des Tages hat mir nicht geschadet, mir geht es wieder gut.
Am Abend haben wir die Zeltübernachtung für den nächsten Abend besprochen, als neuer Gast war jetzt Lauren bei uns. Sie kam von ihrem Aufenthalt in Afrika zu ihrer ersten Schlittenhundetour nach Svalbard.
An diesen Tagen zeigte sich zum ersten Mal im Jahr die Sonne für einige Minuten über dem Horizont. Das Tageslicht taucht die Landschaft in ein sattes Blau, und die Dunkelheit kündigt sich früh am Tag an.
Im Schein der Stirnlampen haben wir zusammen die Schlitten für die die nächsten beiden Tage vorbereitet.

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Tag 6
An diesem Morgen hatten wir -15°C. Der starke Wind liess uns -34°C fühlen. Für die größeren Schlitten zu packen und die Zelte zu verstauen benötigten wir etwas mehr Zeit als sonst. Gegen 12:00 Uhr konnten wir losfahren. Es war zuerst die gleiche Strecke wie zur Gletscherhöhle. Der Aufstieg war anstrengend und die Schlitten schwerer. Bei der Abfahrt herrschte auf dem Gletscher starker Wind mit 10 – 12 m/sec. Ich habe den Atemschutz, die Brille und auch die großen, dicken Handschuhe gebraucht um gegen den starken Wind, der den Schnee vor sich her trug, anzukämpfen.

Nach für mein Empfinden ewiger Strecke führte uns der Weg weg vom Gletscher in ein Seitental, vorbei an einem großen Schneeloch. Ich dacht mir das dass ein guter, wingeschüzter Platz ist. Der Wind war wie weggeblasen, aber ich traute der Ruhe noch nicht. Ein Stück aufwärts des Tals haben wir die beiden Zelte aufgestellt und campiert.

In dieser Nacht war ich froh sehr viel wärmende Kleidung angehabt zu haben. Zwei lange Unterhosen unter den Jeans, je ein kurzes und langes T-Shirt, einen dünnen Rolli, einen Überzieher, ein Sweatshirt, einen dicken Rollkragenpullover und darüber noch einen Windstopper. Darüber kam während der Fahrt noch die dicke Schneehose und Schneejacke. Die Innenstiefel hatte ich auch während der Nacht an. Dies nur als Ratschlag für diejenigen die auch gerne mal solch eine Tour machen möchten.
Beim Kochen im Zelt hatten wir Dampf wie in einer Sauna. Unsere nassen Handschuhe und Mützen kamen in das Dach des Zelts zum Trocknen. Bei -15°C war das die kälteste Nacht meines Lebens.
Nacht um drei stimmten die Hunde ein gemeinsames Konzert an. "Sie haben Lust am Leben" Die richtige Schlafstellung hatte ich morgens um acht als wir aufstanden.

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Tag 7
Nach dem Abbau des Camps hatten wir einen steilen, langen und kräftezehrenden Aufstieg. Von hier oben konnten wir die Südküste und in der anderen Richtung L'byen sehen. Am frühen Nachmittag hatten wir die Sonne zu ersten Mal über den Horizont huschen sehen.
Die Abfahrt war einfach, weil bergab. Nur der Schlitten muss etwas gebremst werden um die Hunde zu schonen. Sie können sich im Tiefschnee leicht an den Gelenken verletzen, und auf den grossen Eisplatten sollte der Schlitten die Hunde nicht überholen.
Macher Skifahrer hätte neidisch sein können, angesichts des unberührten Tiefschnees.
Um 18:00 Uhr waren wir fertig mit ausspannen und entladen und wieder im Haus. Nach dem leckeren Essen habe ich mich noch etwas in der Sauna erholt. Vor dem warmen Ofen, der jederzeit von irgendjemand gefüttert wurde, haben wir uns an diesem Abend noch Dias von Svalbard angesehen. Viele der Inseln stehen unter Naturschutz und dürfen nur mit Erlaubnis des Gouverneurs betreten werden.
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Tag 8
Gegen Mittag waren wir in L'byen, Mark ein neuer Gast für die nächste Woche, wurde von uns am Flughafen abgeholt. Anton holte Wasser für die nächsten Tage und wir gingen noch etwas in die Stadt. Am letzten Abend von Lauren und mir waren wir noch lange draußen das Nordlicht ansehen. Mark versucht mit seiner Kamera und Stativ Bilder zu machen, aber zum ersten Mal schaltete Anton das Licht wieder an, und zum zweiten Mal fielen die Pupies fast über das Stativ und wollten dann noch damit spielen.
Lauren und ich gingen an diesem Abend etwas früher schlafen, da wir diesen schönen Ort um 3:30 Uhr verlassen mussten um unser Flug um 5:05 Uhr in L'byen zu bekommen.
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Tag 9
Bis ich wach wurde war es schon 3:15 Uhr. Schnell im Dunkeln anziehen ohne Mark zu wecken, in die Schuhe und los. Priitta hat uns schnell gebracht.
Laurens und meine Flüge waren gleich. Es ist etwas angenehmer mit einer bekannten Person zu reisen. In Oslo trennten sich unsere Wege. Lauren reiste von hier aus mit einigen Stopps zurück nach Hawaii und ich war um 17:00 Uhr in Limburg.

Es war eine erfahrungsreiche Zeit, die Trails schwieriger als je zuvor, die Aussicht und Landschaft einzigartig, die Hunde mit vielfältigen Persönlichkeiten. Singend, knurrend oder auch einfach nur die Leinen der anderen Hunde zerbeißend.
Unsere Gastgeber Priitta und Anton, Priitta ein Multitalent, spricht Finnisch, norwegisch, englisch und deutsch (auch gleichzeitig). Sie unterrichtet deutsch, ist Guide,
Meine Hunde
waren
Kiwi Kviten
Klang
Stark Sevä
Billi Santos
kann gut kochen und alles organisieren. Anton ein Musher und Trapper, den nichts aus der Ruhe bringt, und immer für seine Hunde und alle Belange zur Stelle ist. Wo sollte Anton sonst leben als in der Arktis.
Um das pure Leben zu erleben muss man die Beiden und ihre Hunde in Spitsbergen kennen lernen.
Ende

Bildquellen: Außer den eigenen Bildern wurden auch Bilder von Priitta verwenden, siehe Anmerkung bei überfahren der Bilder.

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Info über Svalbard - Longyear Airport
Die Anreise
Steckbrief über Svalbard


Zur Seite von Priitta und Anton. Diese Touren werden nicht mehr durchgeführt.

   1998 - 2013 Gerhard Berkefeld-Drucks .