Advanced Tour 2013

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Vor dem Reisebericht möchte ich zuerst eine Geschichte erzählen:
Im Jahr 2011 haben Priitta und Anton Touren zu Newtontoppen mit dem Hundeschlitten gemacht. Als ich davon hörte hat mich sogleich das Reisefieber gepackt. Einziger Haken: 5 Tage im Zelt in der Arktis bei Temperaturen weit unter dem Nullpunkt.
Einige Monate habe ich den Gedanken daran mit mir herumgetragen und dann eine Anfrage an die Beiden geschickt. Die Antwort kam schnell, "die Tour wurde nur in diesem Jahr durchgeführt und im nächsten Jahr nicht mehr"

Es war deprimierend, denn an diesen Ort kommt man sonst nur mit Ski Touren. Somit ist die Urlaubsplanung für das Frühjahr 2012 schon 2011 gegessen, denn eine andere Idee habe ich nicht. Für Svalbard findet man nicht so schnell Alternativen.

Den Gedanken an eine Tour mit Hunden hat ich das ganze Jahr über nicht bis Anfang Dezember. Da aber Weihnachten immer so plötzlich kommt hatte ich anderes zu tun. Nebenbei habe ich auch einen Beruf der meine Zeit beansprucht.
An Weihnachten reiften die Ideen und erste Anfragen gingen nach Kuusamo. Die angebotene "Luxusherberge" und die Umgebung machten Lust auf neue Ziele. Im Reisebüro kam die Ernüchterung: Flüge Sonntags sind teuer mit Übernachtungen in London, Paris, Kopenhagen etc. und in Helsinki habe ich immer einen Aufenthalt. So sehr mich solch eine Reise reizt, so schnell habe ich den Spass daran verloren - für kurze Zeit.

Ich hatte viele gedankenvolle Stunden ob ich letzt endlich die für mich richtige Entscheidung getroffen habe.

Eine Anfrage in Äkäskero für den März war negativ. Letzte mögliche Gelegenheit ist Ende Januar auf einer Tour die ich in Äkäskero noch nicht kenne. So habe ich alles daran gesetzt diesen Termin wahrzunehmen. Zu meiner sechsten Hundeschlitten Tour.

Die Tour
Morgens werde ich zum Flughafen gefahren. Bis zum Flug nach Helsinki habe ich reichlich Zeit und begleite meinen Fahrer noch mal mit ins Terminal 1.
Die Hütte in Peura Das Holzlager in Peura Mein Flug geht erst verspätet wegen des Wetters in Helsinki und dass nur eine Landebahn in Betrieb ist. Das Flugzeug steht auf Außenposition und wir werden mit dem Bus dorthin gefahren. Das linke Triebwerkrad rasselt als wir einsteigen, ist das ok?
"Hallo! hat das jemand bemerkt?" Ich bin Zweckoptimist, wird schon gut gehen.
Mit einer halben Stunde Verspätung landen wir im Schneetreiben in Helsinki. Die Fenster der dort stehenden Flugzeuge sind zugeschneit und nicht mehr zu sehen.
Unterwegs auf dem Trail Tiefschnee in Lappland Ich mache mir Sorgen um die Zeit die mir nur noch bis zum nächste checkin bleibt, doch auch das verzögert sich entsprechend. 1,5 Stunden zu spät fliegen wir ab.
In Kittilä vor dem Gepäckband erkenne ich gleich Thomas, er holt uns, das sind eine Hand voll Leute ab und fährt und mit dem großen Bus die 40 km ins Hotel.
Dort angekommen lege ich schnell mein Gepäck im Zimmer ab und gehe direkt zum Essen, man wartet schon auf uns. Am Tisch treffe ich dort den Rest meiner Gruppe. Andre, unseren Guide lernen wir morgen kennen.
Am Abend räume ich mein Gepäck um da ich auf der Tour nicht das gesamte Gepäck benötige. Ich habe zuhause schon schwer reduziert und mache es noch einmal. es ist nicht so kalt wie erwartet, kann aber noch kommen, schwierige Überlegung Wasserloch am Jokijärvi Mökki am Jokijärvi

Der nächste Tag
Nach dem Frühstück verlassen andere Gruppen und wir, das sind Max und Anne, Jörg, Ivonne und ich, das Hotel mit dem Bus in Richtung Dog camp. Das Thermometer steht bei -5°C als wir Andre vor dem Bus treffen. Andre gibt uns Informationen wie die Tour normalerweise ablaufen soll, z.B. Straßenüberquerungen. Wir lernen die Hunde kennen, laden die Schlitten spannen die Hunde ein. Nachdem die Reihenfolge im Team festgelegt ist, ich fahre wieder mal hinten, geht es los.
Das Lärmen der Hunde, Zilli und Nugget im Lead, Thor im Team und Epo mit Lucy als Wheeldogs, verstummt als wir durch das Gatter nach draußen fahren.
Bei der Advanced Tour gibt es keinen Einführungstag. Die Tour beginnt am ersten Tag nach der Ankunft.
Es hat über Nacht stark geschneit und der Himmel ist Wolkenverhangen. Dieses Wetter wird uns auf der gesamten Tour begleiten, davon wissen wir aber noch nichts.
Meine Hunde Der Kangosjärvi Der Schlitten lässt sich wie gewohnt gut lenken. Der tiefe Schnee verlangt vor allem den Hunden mehr ab. Für mich ist es relativ einfach zu fahren, ich habe ja fünf Schlitten vor mir. Bergauf und in tiefem Schnee ist es anstrengend zu fahren. Einer meiner Hunde röchelt, es hört sich an als ob er sich selbst erwürgt. Ein Blick auf die Necklines der Hunde zeigt mir aber dass sie bei allen drei Hunden nicht angespannt ist, die Leaddogs haben diese Leine nur untereinander ohne Verbindung zur Gangline. Bald erkenne ich dass Epo, mein roter Weeldog, diese Geräusche macht. Mein Hund rasselt bei zu großer Belastung!
Uns macht die fehlende Kälte zu schaffen, die Kleidung ist für tiefere Temperaturen ausgelegt und die Hunde schlafen auch bei -40°C draußen.

Als wir nach einigen Stunden an der Hütte in Kuusijärvi ankommen macht Andre die Runde und zeigt uns die Bäume an denen die Nachtkette angebunden wird. Sie befindet sich in einer Tasche auf dem Schlittensack. Es ist günstig die Kette mit den Handschuhe heraus zu holen, da sie in der Regel verkackt ist. Ich befestige das eine Ende der Kette, dort befindet sich ein Nylonseil, an besagtem Baum und das andere Ende am große Karabiner am Schlitten neben der Gangline. An der Kette befinden sich mehrere kleine Ketten an denen die Hunde mit ihren Halsbändern fest gemacht werden. Die Geschirre werden ihnen über Nacht abgenommen und im Schlittensack untergebracht. Die Gangline lege ich um einen weiteren Baum in der Nähe des Schlittens, zur zusätzlichen Sicherung und auch dass die kleinen Karabiner nicht im Schnee liegen und vereisen.
Schneegestöber auf dem Kangosjärvi Hütte am Kangosjärvi Auf einer meiner vorherigen Touren ist es passiert dass ein Hund nächtens spazieren war weil ein Karabiner nicht richtig geschlossen war, das möchte nicht noch mal passieren.
Noch bevor wir unsere Taschen zu den Hütten bringen, bekommen die Hunde ihr erstes Fressen nach der Tagestour. Jeder hat auf seinem Schlitten die gehackten Fleischportionen für jeden Hund und Tag dabei. Wir wollen sie ja bei Laune halten. Der Schlitten wird täglich leichter.
Jetzt ist die Zeit gekommen dass wir unsere persönliche Sachen zur Hütte bringen.

Wasser ist normalerweise auf den Hütten bereit gestellt. Das macht die Gruppe die morgens die Hütte verlässt. Gleich verhält es sich mit dem Holz und Kleinholz zum Anzünden der Feuerstellen. Wasser wird noch mehrere Male nachgeholt werden müssen. Die Arbeiten, die während des Aufenthalts anfallen, werden von irgend jemandem ausgeführt. Wer sich um die Küche kümmert hat in der Regel nichts mit dem Holz oder Wasser holen zu tun. Die Aufgaben verteilen sich an den Abenden unterschiedlich, je nach Ambitionen.
Wenn Abends die Sauna gewünscht wird muss sie auch zeitig aufgeheizt und mit Wasser und Holz versorgt werden. Hier wird für die folgenden Gruppen nichts bereit gestellt, Sauna ist Luxus, da kann sich jeder selbst kümmern.
Wenn der Ofen angefeuert ist, oder auch auf einem Gas-Kochfeld, wird eine Suppe zubereitet. Das geht schnell und ist gut für den ersten Hunger. Die Zubereitung des Abendessens dauert in der Regel etwas länger.
Unser Hundelager nahe der Hütte am Jokijärvi Hütte am Jokijärvi Eine wichtige Sache ist die Auswahl der Schlafstelle, ob ich in den Doppelstockbetten oben oder unten schlafen möchte oder kann. Der Guide schläft meist in Türnähe, um Nachts schneller bei den Hunden zu sein ohne alle anderen zu wecken. Während es am Boden zwischen 5°C und 10°C sind kann es unter der Decke 30°C warm sein. Als "alter Herr" konnte ich immer unten nächtigen, wobei mir die Wärme unter der Decke weniger ausgemacht hätte als die Tatsache immer klettern zu müssen.
Es wird früh duster, wenn ich in den Hütten bin habe ich immer die Stirnlampe auf. Sie ist am Griff der grünen, schweren Stofftasche festgemacht um sie schnell zur Hand zu haben. Diese Tasche hat jeder dabei für die Klamotten die jeder so mit sich rumschleppt.

Am nächsten Morgen bin ich früh wach. Diese Nacht habe ich nicht sehr gut geschlafen.
Wir hatten Abends früh Schluss gemacht, jedenfalls für meine Verhältnisse, und auch spät aufgestanden. Ich bin sonst kürzere Nächte gewohnt, und habe während einiger Nächte lange wach gelegen.
Für eine erste Zigarette gehe ich raus, in den Hütten wird nicht geraucht. Draußen ist es kaum kälter als in den letzten Tagen daheim und es schneit. Dieses Bild zeigt fast jeden Morgen. Andre ist schon früh draußen um die Hunde zu füttern.
Mein zugeschneiter Schlitten Zilli, einer meiner beiden Leithunde Wer zuerst aufsteht deckt den Fühstückstisch, meistens waren es die gleichen Leute. Wenn erforderlich, aber meistens, macht jemand anderer das Feuer im Ofen an.
Nach dem gemeinsamen Frühstück muss heißes Wasser zum Abwaschen und Tee bereitet werden. Wasser und Holz wird für den Abend bereit gestellt, die Hütte und Sauna aufgeräumt, so wie wir es vorfanden und schätzen.
Jetzt ist die Zeit gekommen alles wieder zu den Schlitten zu bringen und diese zu packen. Die Hunde liegen meist noch in ihren Kuhlen, die sie in den Schnee geschmolzen haben. Nach starkem Schneefall sieht man manchmal nur kleine Schneehügel die sich bewegen.
Die Gangline wird wieder ausgelegt, die Karabiner enteist und die Geschirre vorbereitet und ausgelegt. In der Regel gibt es drei Größen aber auch Sonderanfertigungen für sehr große Hunde.
Manche Hunde machen erwartungsvoll beim Anlegen der Geschirre mit und andere möchten lieber liegen bleiben. Diese Tätigkeit kann schweißtreibend sein, weshalb bei diesen Temperaturen die Jacke auf dem Schlitten bleiben kann. Bei fünf Hunden hält sich die Anstrengung in Grenzen. Ich hatte auch schon 10 Hunde vor dem Schlitten die mir einen Grund für einen Schweißausbruch gaben.

Nach diesen Arbeiten halte ich Ausschau nach den Anderen. Sobald der erste Hund an der Gangline festgemacht ist wird die Meute unruhig. Es ist gut gemeinsam mit dieser Tätigkeit zu beginnen.
Zuerst kommen die Leaddogs an die Leine, ihnen folgen die Swingdogs und die Wheeldogs, die direkt vor dem Schlitten laufen. Schnell noch die verschissene Nachtkette einpacken - mit Handschuhen - dicke Jacke anziehen, Mütze auf, den Schneeanker sollte auch schon von Eis gelockert sein, die Meute tobt, der Schlitten verschlossen, auf die Bremse stellen, Anker raus und "OK"

Ein Ruck geht durch den Schlitten, es ist plötzlich leise. Mit rasanter Geschwindigkeit geht es um Bäume herum, Obacht auf Headbanger, über den Weg herunterhängende schneebeladene Äste und bereits wieder stehende Schlitten. Deswegen sind wir hier, "Der Weg ist das Ziel"

Wald im Schnee neben dem Trail Meine Hunde Abends hatten die Hütte in Peura, die schon vor der ersten Schlittenhundetour kenne. Dieses Mal ist es aber ca. 35° wärmer als damals. Dieser Teil der Hütte besteht aus nur einem Raum mit Vorraum.
Damals auf der linken Seite war die Küche unbeheizt.
Die alte Benzin Wasserpumpe welche wir bei letzten Mal benutzten existiert nicht mehr. An der Stelle befindet sich jetzt ein ca. 5 Meter tiefer abgedeckter Brunnenschacht mit Seilwinde.

So oder ähnlich laufen alle Tage ab. Auf unserer Tour haben wir einige Straßenüberquerungen und 4 - 5 km Fahrt über das Eis des Kangosjärvi mit Übernachtung in der Hütte im Norden des Sees und der Hütte in Jokijärvi.

Zurück im Dogcamp Zurück im Dogcamp Am letzten Tag der Schlittenhundetour hat sich das Wetter nicht wesentlich geändert, es ist etwas kälter geworden. Nach der Einfahrt in den Kennel werden die Tore geschlossen und wir können die Hunde direkt laufen lassen. Gemeinsam räumen wir die Schlitten, die Hunde werden in Gruppen in die Zwinger verbracht und die Schlitten in den Unterstand geschoben.
In der Kota, der runden, einem Samizelt ähnelndem Hütte, steht der Bullerjahn und mehrere warme Suppen, Tee und Kaffee warten auf uns.
Um 17:00 Uhr werden alle Gruppen mit dem Bus wieder in das Hotel gebracht.
Am Guide-Abend treffen sich alle Gruppen mit ihren Guides zum abschließendem Dinner.

Die Kota im Dogcamp Im Dogcamp Der letzte Tag vor der Abreise steht zur freien Verfügung. Heute gehen wir mit den Schneeschuhen zum Camp rüber. Es sollen 8 km sein. Der Schnee um den See am Hotel ist so tief dass ich kurz davor bin hinzuschmeißen um zum Hotel zurück zu gehen. Wir finden den stark verschneiten Trail und es wird für mich, "den alten Herrn" erträglich. Es währe auch nicht mein Ding gewesen aufzugeben.
Nach drei Stunden erreichen wir das Dog-Camp ohne uns verlaufen zu haben. Den Trail mussten wir allerdings schon mehrmals suchen, da er zugeweht war. Das letzte Stück auf der Strasse besteht Unsicherheit über die Richtung und ich drohte den anderen an eine Runde auszugeben wenn ich mich irren sollte. Die letzten paar hundert Meter können wir nach Gehör gehen weil wir Hunde hören können.
Schneegebilde Mökkis im Hotel Meine Hosen sind heute nicht wasserdicht und der Schnee der sich seit langer Zeit vom tiefen Schnee, einigen Fehltritten in den Tiefschnee und einigen Abflügen in die Botanik angesammelt hat, hat die Socken angefeuchtet und die Füße kalt werden lassen. Die warme Kota im Camp lässt die Füße nicht warm werden, jedoch kann ich die Kleidung etwas trocknen. nach kurzer Zeit gehen Ivonne und Jörg auf dem gleichen Weg wieder zurück. Um 16:00 Uhr soll der Transfer zum Hotel sein aber es wird 17:00 Uhr.

Ivonne und Jörg sind lange Zeit vor uns zurück und mir bleibt nur noch Zeit zum Duschen, gerne währe ich noch mal in der Sauna und im Eisloch gewesen. Das finale Abendessen ist um 19:00 Uhr. Es ist ein schöner Abschluss für die Gruppe. Als ich und Jörg als letzte das Lokal verlassen wird auch schon das Licht ausgeschaltet.

Möbel im Hotel Möbel im Hotel Letztes mal gemeinsam früstücken, bis wir zu unterschiedlichen Zeiten zu Flughafen gefahren werden.
Pünktlich geht mein Flug nach Helsinki. Leichte bis schwere Wehmütigkeit beschleicht mich als wir in Kittilä abheben. Wir hatten eine Woche lang nur Schnee und - 5°C. Gestern fiel die Temperatur schon mal auf 8°C und heute auf - 10°C.
Ab einer Flughöhe von 1000 Metern hatten wir schon Sonne. Richtung Osten waren keine Wolken mehr zu sehen. Solch ein Wetter habe ich letzte Woche vermisst. Neid beschleicht mich angesichts des zu erwarteten Wetters.

Der Abflug nach Frankfurt verzögert sich weil alle Flugzeuge enteist werden müssen. Als wir abheben sehe ich ein Warteschlange mit Flugzeugen.
Mit etwa 20 Minuten Verspätung komme ich in Frankfurt an und fahre mit dem ICE weiter Richtung Heimat.

Ende



1998 - 2013 Gerhard Berkefeld-Drucks
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